Prolog
Nachdem ich nun ein (theoretisch) reisetaugliches Fahrrad hatte, suchte ich eine geeignete Strecke für die erste richtige Tour. Da kam mir das anstehende Bushcrafttreffen gerade richtig und ich beschloss die An- und Abreise mit dem Rad durchzuführen. Die Planung der Strecke erledigte ich über das Onlineangebot von outdooractive.com. Hierzu griff ich auf das Radfernwegenetz zurück. Für die Hinfahrt wählte ich einfach den kürzesten Weg, indem ich zwei Trackpunkte am Startpunkt und am Ziel setzte und so outdooractive.com die Streckenplanung überließ. Für den Rückweg wählte ich eine parallele Route etwas weiter östlich. Zweimal die gleiche Strecke wäre ja langweilig. Die erstellten Tracks lud ich auf mein GPS. Das Stromproblem löste ich durch die Mitnahme von ausreichend (15) Akkus, die aber gleichzeitig auch für Kamera und Stirnlampe gedacht waren. Da ich der Sache mit dem GPS dennoch nicht völlig traute kaufte ich mir von Papierkarten vom ADFC, die den Streckenverlauf abdeckten. Hier nehm ich schon mal vorweg, dass dies eine sehr gute Entscheidung war. Das Packen zog sich länger hin, da mir für (Reise-)Radtouren hier die Erfahrung fehlte. Zusätzlich brauchte ich für das Bushcrafttreffen noch ein paar extra Sachen. Vor allem hatte ich Angst, dass meine Kunstfaserkleidung vom Funkenflug am Feuer gebeutelt werden würde. Gewichttechnisch ließ sich dies noch relativ gut realisieren. Besonders ärgerlich war aber, dass ich ein extra paar Schuhe einpacken musste, da ich auf dem Rad Klickpedale verwendete und meine Schuhe hierfür sich nicht für den Alltag eignen. Obwohl ich mich nur zu Halbschuhen entschloss erwiesen sich diese vor allem pack-technisch als Hinderniss.
Tag 1
An diesem erstem Tag hatte ich mir richtig was vorgenommen. Ich wollte es bis zur Niddatalsperre im Vogelsberg schaffen. Das wären laut Karte ca. 170 Kilometer. Daher begann ich meine Tour auch schon um sechs Uhr morgens. Zu Anfang gings es erst mal eine lange Zeit aus dem Nordhessischen Bergland bergab bis ich die Fulda erreichte. Ich fuhr nun führ kurze Zeit auf einer Strecke auf der ich vor bald einem Jahrzehnt meine erste Trekkingtour überhaupt gemacht hatte. Damals ging es zum Edersee. Jetzt war ich auf jeden Fall auf dem eigentlichen Radfernweg angekommen. Die Strecke war wirklich sehr gut ausgeschildert und der Weg folgte längere Zeit der Eder. Teilweise wich er etwas vom Track ab, traf ihn aber immer wieder. Daher war ich zunächst nicht verunsichert, als der Track sich immer weiter aus dem Blickfeld des GPS entfernte. Ein Blick auf die Karte zeigte mir dann, dass ich auf dem Weg nach Fritzlar war. Dort wollte ich eigentlich nicht hin. Da es aber laut Karte einen Radweg von Fritzlar auf meine eigentliche Strecke gab und ich nicht ein gutes Stück zurück fahren wollte, fuhr ich den Weg weiter. In Fritzlar ging es steil in die sehr schöne fachwerkliche Innenstadt hinauf. Wirklich sehenswert. Was ich nicht finden konnte war den in die Karte eingetragenen Radweg. Den gab es schlichtweg nicht! Schließlich musste ich mich quer über schlechte Feldwege, Äcker und Forstwege, bei denen ich sogar mit meinem MTB Respekt hätte, kämpfen um wieder auf dem richtigen Weg zugelangen. Als ich zu guter letzt vor einem Weg stand, der von einer Autobahn unterbrochen wurde und ich erst zig Kilometer fahren musste um diese auf einer Brücke zu überqueren, legte ich mein Tagesziel schließlich zu den Akten. Wieder auf dem Radweg ging es dann aber wieder voran. Nun ging es an der Schwalm enlang. Bei einer mittleren Pause stellte ich auch fest, dass ich mir einen leichten Sonnenbrand zugezogen hatte. Mein Pulli und meine Radhandschuh ließen einen kleinen Bereich meiner Handgelenkt unbedeckt. Dort besaß ich nun zwei rote Binden, eine mit dem weißem Abdrück meiner Uhr, hmm, schnell Sonnencreme aufgetragen und das Outfit dem nun wärmeren Wetter angepasst. Es ging nun immer weiter an der Schwalm entlang, bis ich an Schwalmstadt vorbeikam und schließlich in Alsfeld landete. Der letzte Teil der Strecke verlief so unkompliziert, dass ich mich hier kaum an Detail erinnern kann. In Alsfeld machte ich eine Pause und überlegte wie es weiter gehen sollte. Ich entschloss mich so weit zu fahren, bis ich eine schöne Wiese fand und dort die Nacht zu verbringen. Die Möglichkeit eines Campingplatzes gab es leider nicht. Über eine Dusche hätte ich mich nach so einem anstrengenden Tag schon gefreut. Zwischen Alsfeld und dem Vogelsberg fand ich dann eine schöne Wiese für die Nacht. Für die Dusche gab es leider nur kaltes Wasser aus dem angrenzenden Bach. Normalerweise schlafe ich in der ersten Nacht auf einer Tour meistens nicht sehr gut. In dieser Nacht hätte aber ein Ufo neben dem Zelt landen können, ohne dass ich aufgewacht wäre.
144 Kilometer.
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So gings los. Geschätztes Gesamtgewicht des Rades 40-50 Kilo. In den Frontpacktaschen befinden sich hauptsächlich Schlafsack und Isomatte. In der Hecktasche einmal die KLeidung und in der anderen Lebensmittel und Ausrüstung. Das Zelt und die nervigen Schuhe sind auf den Gepäckträger geschnallt. In der Lenkertasche finden sich die Tagesverpflegung, Kamera und die Karte.
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Erste Überqueren der Fulda.
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Interessanter Fachwerkbau in Fritzlar.
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Fritzlar.
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Über diesen Acker durfte ich mangels Radweg fahren.
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Die Wiese, auf der ich die Nacht verbrachte.
Tag 2
Heute sollte es regnen. Das sagte zumindest der Wetterbericht. Bis auf ein paar Tropfen morgens als ich noch im Zelt lag passierte aber erst mal nichts. Ganz im Gegenteil, das Wetter an diesem Morgen war geradezu freundlich. So hatte ich einen frühen aber sehr entspannten Aufbruch. Wenige Meter neben dem Zelt entdeckte ich sogar noch eine Quelle, die mir am Vorabend entgangen war. Nach ein paar Metern war ich wieder auf meinem eigentlichen Weg. Beruhigt stellte ich auch fest, dass es mir körperlich gar nicht so schlecht ging und so verliefen die ersten Meter recht entspannt. Nach einiger Zeit machte der Weg einen Abstecher von der Straße in den Wald. Landschaftlich zwar schöner als die Landstraße, dafür topografisch ungünstig. Es handelte sich aber nur um einen kurzen Abstecher und bald führte der Weg wieder auf der hier recht ruhigen Landstraße entlang. Man merkte aber, dass es auch hier zunehmend steiler wurde. Das Wetter war weiterhin sonnig, doch während meines Aufstieges sah ich im Westen die schwarzen Wolken kommen. Etwas hinter Meiches ging es dann einen Waldweg entlang, ich kam wieder auf freie Fläche und stand vor einem recht beachtlichem Windpark. Hier auf der offenen Hochfläche hatte der Wind nun mächtig zugenommen und ich hatte geradezu Schwierigkeiten meine Wind/Regenjacke anzuziehen. Ich fuhr noch ein paar Meter weiter bis ich mich wieder in einem Waldstück befand. Da die schwarze Wand immer näher kam beschloss ich nun auf meine restliche Regenkleidung zurückzugreifen. Um eine Überhitzung zu vermeiden zog ich dafür extra meine lange Überhose aus. Als ich gerade die Regenhose anlegte traf mich wie ein Schlag eine Windböhe von rechts gefolgt von einem der heftigsten Graupelniederschläge, die ich je erlebt hab. In Windeseile schloss ich schnell die Radtaschen und beendete meine Umkleideaktion. Ich fuhr durch den heftigen Niederschlag, der bald ein Regen überging, weiter und bereute, dass ich die lange Überhose abgelegt hatte. Die Temperatur war mit der Gewitterfront, ja es donnerte auch, bestimmt um 10°C gefallen. In Ulrichstein überlegte ich ob ich nicht lieber eine Pause machen sollte, ich hatte aber bedenken dabei auszukühlen. Ich war vom vorherigen Aufstieg ja immer noch durchgeschwitzt. Leider ging es gerade jetzt noch im Starkregen eine recht steile und kurvige Abfahrt hinunter. Gottseidank war diese nur recht kurz, weil ich schon nach wenigen Metern meine Hände durch die Kälte nicht mehr spüren könnte. Ich war regelrecht froh über den folgenden Aufstieg, weil mir dabei immerhin wieder warm wurde. Als ich oben ankam hört dann so langsam auch der Regen wieder auf und die Sonne kam raus. Nach diesem Aufstieg ging es wieder steil hinunter nach Kölzenhain und von dort wieder steil bergauf. Als ich das Dorf verließ legte ich wieder einen kurzen Stopp ein um die KLeidung zu wechseln. In der Regenhose wurde es mir zu warm. Bei dem folgenden Aufstieg verfluchte ich die Wegführung. Oben angekommen kreuzte ich eine Straße nach der es kurz berab ging, bevor der Weg steil einen grob geschottertem Forstweg hochging. Dies sollte aber der letzte schwierige Anstieg des Tages gewesen sein und oben wurde ich mit einer herrlichen Ausicht auf Vogelsberg und das Mainvorland belohnt. In der Ferne konnte man sogar die Wolkenkratzer sehen. Von nun an ging es fast nur noch bergab. In Schotten machte ich in einer Metzergerei eine Mittagspause in Form eines dicken Metzerburgers. Dieser war wirklich lecker. Ich kam dann an meinem Ziel vom Vortag, der Niddatalsperre vorbei und folgte nun dem Verlauf der Nidda. Ich kam durch die gleichnamige Stadt und im Laufe des Tages gingen mehrere Schauer über mich nieder. Der Weg ließ sich gut fahren. Nur der stete Gegenwind und zunehmende Sitzprobleme machten die Sache etwas unangenehm. In der Nähe der A45 kam ich noch an einem wirklich vogelreichem Vogelschutzgebiet vorbei. Danach wurde die Landschaft sehr agrarisch geprägt. Vor dem Main gab es noch einen letzten Hügel den ich überwinden musste bis ich schließlich den Main und mein Lager für die Nacht, den Campingplatz Mainkur erreicht. Der Platz lag direkt zwischen Main und einer recht lauten Bundesstraße. Der Platz war dafür ordentlich und die Besitzerin sehr freundlich. Mit 11,50 Euro gehört der Platz dafür zu den teureren. Insgesamt verbrachte ich aber eine schöne Nacht und erholsame Nacht.
104 Kilometer
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Dachs wird von Raben verfolgt.
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Windpark bei Ulrichstein.
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Die schwarze Wand kommt.
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Blick über das Vogelsbergland.
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Wolkenkratzer in der Ferne.
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Blick von der Niddatalsperre auf den Vogelsberg.
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Sehr schönes Vogelschutzgebiet an der Nidda. Im Hintergrund der Vogelsberg.
Tag 3
Das Wetter war sollte nun wieder besser werden. Ich hatte einen frühen entspannten Aufbruch und kam in knapp einer Stunde vom Platz weg. An diesem Morgen merkte ich meinen Hintern aber schon recht deutlich. Zu Beginn musste ich erst mal einen Umweg fahren, da die Fähre gerade in Wartung war. Das brachte mir 10 Kilometer mehr ein. Es ging dann durch Mühlheim und anschließend längere Zeit durch ein Waldstück. In Bieber kam ich kurz vom Weg ab. Mittels meines GPS traf ich ihn aber wieder recht schnell. So fuhr ich dann wieder durch ein Waldstück bis ich erneut in einen Ort kam. Dort fiel mir dann auf, das der Richtungspfeil auf meinem GPS in die falsche RIchtung zeigte. Hmm, auch eine neue Kalibration änderte daran nichts. Ich schaute mir das nächste Schild mit den Entfernungsangaben an und holte die Karte raus. So ganz langsam bekam ich eine ganz dunkle Ahnung. Aber nein, das konnte nicht sein. An dieser Stelle war ich noch nie. Nachdem ich mehrere Minuten so in Selbstzweifeln verbracht hatte fuhr ich schließlich doch mal ein paar Meter in die andere Richtung und schwupps, es war unglaublich nun kam mir der Weg wieder bekannt vor. Ich hatte es tatsächlich fertig gebracht mindesten 10 Kilometer in die falsche Richtung zur fahren ohne es zu merken. Hätte ich mich nicht über das GPS gewundert, wäre es mir bestimmt erst aufgefallen, wenn ich am Main gewesen wäre. Ich kann dieses Missgeschick heute noch kaum glauben. Naja, somit begann der Morgen mit ca. 25 nicht eingeplanten Extrakilometer und ich bekam begründetete Zweifel, ob ich es bis zu Neckar schaffen würde. Der weitere Weg war dann recht unspektakular. Es ging abwechselnt. Durch Waldstücke, kleine Städte und Dörfer und Feldlandschaften. Ich fuhr noch bis in den Odenwald hinein. Kurz vor Michelstadt beschloss ich aber, dass ich nicht viel weiter fahren wollte. In Michelstadt sollte es am Stadtrand laut meiner Übersichtskarte sogar einen Campingplatz geben. Dort angekommen wieß mich aber ein Schild recht schnell darauf hin, dass dieser geschlossen ist, für immer. Ich fuhr etwas weiter das Tal hinauf um einen ruhigen Zeltplatz zu suchen und fand ein Jugendcamp des CVJM. Zugegeben wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was der CVJM ist. Da das Gelände augenscheinlich gerade in Benutzung war, fragte ich nach , ob ich mich auf eine Miniwiese noch über dem Gelände postieren könnte. Die Betreuerin der Gruppe hatte damit kein Problem. Als ich später gerade bei der Zubereitung des Abendessens war, ich versuchte mich mal wieder an Fertigkartoffelpuffern, kam sie sogar vorbei und lud mich zum Essen ein. Da die Puffer eh nicht so wollten, war ich darüber auch recht froh. Ich erfuhr noch, dass es sich um eine "Klassenfahrt" einer Walddorfschule handelt. Neben der Betreuerin waren noch 3 Eltern anwesend. Nach dem Essen wurde ich noch zum Lagerfeuer eingeladen und die Kinder (mussten) die ganze Zeit Lieder singen. Es war auf jedenfall noch ein sehr netter Abend und eine interessante Erfahrung.
96 Kilometer
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Der Main bei Fechtenheim.
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Genau hier hab ich mich verfahren un bin in die falsche Richtung gefahren. Ich kam auf dem rechten Weg an. Das Schild auf der Rückseite zeigte wie das zu sehende Schild schräg nach rechts unten. Ich dachte man sollte unter der Brücke durch. Stattdessen sollte man nur die Straßenseite wechseln.
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Ein schöner Waldweg.
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Im Odenwald wurde es stellenweise wieder recht steil.
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Mein Lager am nächsten Morgen.