Veröffentlicht von
bttor
Für alle die ihr so in der Welt rumbummelt mal eine kleine Geschichte aus meinem Leben .
Gedacht als Rückblick auf eine zeit in der es für einige von uns nicht möglich war diese Freizügigkeit zu genießen .
Das Geländer
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Es ist schon lang dunkel, die Lichter spiegeln sich im Wasser und ein leichter Hauch von
Salz liegt in der Luft. Ah da kommt Evelin wieder, sie war Fragen ob wir noch mitkommen,
Sie muss immer fragen ich mag das nicht „na, wat sagen se „“is voll, die nächst geht in vier
Stunden „ na ja hätte ja klappen können dann müssen wir ebnen warten.
Ach, so wir sind in Sassnitz am alten Fährhafen es ist Freitagabend Zehn Uhr. Wir müssen, sollen, wollen nach Schweden Jens abholen, sein Auslandsemester ist zu Ende und nun muss er mit Sack und Pack wieder nach Hause. Am Montag muss der Transporter wieder in der Firma sein, also in Zweiundfünfzig Stunden. Und wir sitzen hier erst mal die nächsten vier Stunden fest. In Gedanken gehe ich noch mal die Wegbeschreibug von Jens durch, also von Trelleborg nach Malmö, großer Kreisverkehr, E20 Richtung Göteborg bis Helsingborg dann immer auf der E4 über Jönköping in Richtung Stockholm bis Linköping ca. 700km. Mit der Weile ist Evelin auf dem Beifahrersitz eingeschlafen ,Sie kann immer schlafen egal wo, ich krieg das irgendwie nicht hin. Na ja soll sie schlafen ich geh erst mal eine Rauchen ,vorbei an den wartenden Autos gehe ich die schmale Auffahrt zum Fährhafen runter da sehe ich noch gerade die letzten Bahnwagons im Bauch der Fähre verschwinden. Das geschäftige treiben lässt die Zeit etwas schneller vergehen, es ist schon Beeindruckend, die tausendfach vollzogenen Abläufe zu beobachten, da knarren Sprechfunkgeräte die Motoren erhöhen die Drehzahl ,Auffahrrampen werden eingezogen und die Leinen los gemacht, allmählich setzt sich das tonnenschwere Schiff in Bewegung. Die Fähre legt ab, ohne uns, und allmählich kehrt Ruhe ein, die Arbeitslichter am Terminal gehen aus, das Schiff entfernt sich immer weiter bis es nur noch ein Lichtpunkt auf dem Wasser ist. Allmählich wird mir kalt. Ich lass den Blick noch einmal über den Hafen streichen und geh. Über mir liegt die Stadt mit ihren Lichtern. Das große, ist das Rügenhotel das alles überragt und daneben, stopp, ja das muss es sein das Geländer. Da oben hat du auch mal gestanden. Da, an dem Geländer hast du gestanden der Fähre hinterher geschaut und davon geträumt, ein mal damit zu fahren na ja geträumt von der weiten Welt von fernen Ländern nur um sie mal zu sehen einfach nur so . Gu,t geträumt davon aber daran geglaubt, dass es mal so sein wird, ne’ daran geglaubt hab ich eigentlich nie.
Mann wie lange ist das eigentlich her. Jetzt haben wir 1995 es war unser erster gemeinsamer Urlaub also 1985 vor zehn Jahren im tiefsten Sozialismus. Und jetzt stehe ich hier unten und in drei Stunden geht die nächste Fähre mit dir und Evelin. Wahnsinn vor Zehn Jahren wärst
du nicht mal bis hier unten gekommen nicht mal bis zum Schlagbaum, nicht damals.
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Es ist Donnerstag, Evelin hat Spätschicht wieder mal. Im Fernsehen kommt auch nüscht vernünftiges, im Ersten „Prisma“* und im Zweiten „Und sie kämpften für die Heimat“
mit Untertiteln Besatzerprogramm*. Da geh ich Sie doch lieber abholen und noch ein Bier trinken. Also ab zur Wiesenperle Spletti hat Schicht ,der hat anscheinend immer Spätschicht
„Na dich sieht man ja ach immer seltener willst wohl deine Frau abholen ick sach gleich hinten bescheiid wat willst’n, n Bier und „ bring mir mal nenn Hofmeister „ !
„ Hofmeister is nich weißte doch, Donnerstag iss Fleischlos *„ Dann nehm ich n Bauernfrühstück „ !
Um neune is Küchenschluss Evelin steht schon in der Tür ,mit strahlender Miene.
Hm da iss doch was, bei der Miene iss immer was, Schwanger ??freu?? Mit mal, Gezeter
aus dem Hintergrund, ich hör nur noch: „ spiel dich bloß nicht so auf“ , dann ist sie schon
am Tisch, na mein Schatz wat iss n los „ach nur Monika wir sollen doch nicht vorne rum
in den Gastraum gehen. „ Spletti bringt uns noch zwei Bier und kassiert gleich ab.
Und da ist es mit einmal wieder, dieses Smily Gesicht. „Soll ich dir mal was sagen, in der nächsten Woche hab ich vier Tage hintereinander frei mitten in der Saison und das als Jungfacharbeiter, ist das nicht toll.
Noch am selben Abend schmiedeten wir die tollsten Urlaubspläne wobei uns das vor kurzem erstandene Büchlein „ FKK Zwischen Ostsee und Vogtland“ ein willkommener Reiseführer war.
Strandparadies Schaabe am Tromper Wiek klingt doch super und war somit unser erklärtes Urlaubsziel. Auf nach Rügen, zelten, doch halt ohne Zelt?
Somit war die Aufgabe für die nächste Woche klar ein Zelt muss her und zwar ein kleines,
da wir ja mit Zug und Bus unterwegs sein werden.
Gleich am nächsten Tag klapperte ich auf dem weg zur Baustelle, treu nach dem Motto „Privat geht vor Katastrophe“ sämtliche SPOWA *Läden auf der Strecke ab, stets mit dem selben endtäuschenden Ergebnis. Da blieb vorerst nur das Telefon, also Telefonbuch raus
Finger in die Scheibe und los ,Pasewalk, Straßburg, Woldegk, Friedland ..Treffer-
in Friedland gibt es noch ein Zweimannzelt da es an diesem Tag bis Ladenschluss nicht mehr
zu schaffen war, musste ich es auf den nächsten Tag verschieben und es dann mit dem Moped
abholen. Die erste Hürde war genommen. Nach einigen Stunden intensiver Suche und dem Aufblasen diverser Luftmatratzen hatte ich dann auch den Rest der unverzichtbaren
Dinge im Garten aufgehäuft. Zelt , zwei Luftmatratzen dicht, Evelin’s himmelblauen Dederon Schlafsack und meinen altes Baumwollteil den nigelnagel neuen Spirituskocher nebst einem Liter Spiritus. Stolz stand ich nun vor unserem gewaltigen Haufen und allmählich wurde mir mein neues Problem klar. Wie willst du das alles wegkriegen, wobei ja auch noch Garderobe und Verpflegung mit mussten?
Als alter Bastelfanatiker kam mir dann auch bald die zündende Idee in der Prakikus *Ausgabe
vom März war doch eine Bauanleitung für sonn Traggestell, gesagt getan so wurden aus einem alten Baurucksack und einem zusammengebrochenem Gartenstuhl eine Kraxe.
Um den Rest kann sich eigentlich Evelin kümmern.
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Wow, einen Ostseeurlaub mit meinem liebsten, mitten im Sommer, kaum zu glauben vier Tage frei, einfach toll. Also ab an’s planen Zelt, Schlafsäcke, Luftmatratzen was zum essen und Zugverbindungen, Busanschlüsse. Wir wollen nach Rügen, auf die Schaabe .
Im Reiseführer steht, dass man von dort aus auch gut zum Kap Arkona und zum Königsstuhl wandern kann, ne’ tolle Idee, machen wir bestimmt. Bernd hat ein Gestell gebaut, wo man das
Zelt, die Luftmatratzen und die Schlafsäcke drauf schnallen konnte. Wir nannten es Kraxe, es ist furchtbar schwer, ich glaube Bernd hat es Gewogen. Ich habe einen Campingbeutel wo unsere Wechselsachen und eine Notration Essen und was zu trinken drin ist. Man braucht nicht viel, wenn man jung ist, wir haben noch Luft und Liebe und das ist genug. Die Zugfahrt bis Sagard geht schnell und ist erschwinglich, dann weiter mit dem Bus nach Glowe und dann noch zu Fuß zum Campingplatz, geschafft. Es ist schon etwas spät und der Platz schon ziemlich voll, wir bekommen aber noch einen Platz und richten uns ein.
Ein wunderbar schattiger Ort mit vielen großen Kiefern und Kiefernnadeln überall.
Erst einmal frei räumen und aufbauen. Unser erstes eigenes Heim was für ein Gefühl, na ja jetzt wo wir verheiratet sind sollte es dann auch mit einer eigenen Wohnung klappen.
Wird schon noch, jetzt erst mal ein eigenes Zelt.
So, alles fertig, nun schauen wir uns mal den Strand und die Waschgelegenheiten, oh weh die Sanitären Einrichtungen sind eine Katastrophe und die TROCKENTOILETTEN ein Graus aber da kommt man schlecht drum rum, außer nichts essen und nichts trinken. Noch einen kleinen Steinstrandspaziergang, baden und ab in unsere kleine Hütte.
Es knallt und Donnert gewaltig, ein gigantisches Gewitter zieht über die am Tag noch wunderschönen Kiefern, die nun zu wankenden Riesen werden, wir schauen raus, ich habe SCHISS dass genau diese Kiefern in unserer Nähe umstürzen könnten. Also kriechen wir wieder in unser kleines süßes blaues Zelt und ich ließ mich von Bernd beruhigen. Am Morgen war alles wieder gut, als ob nichts gewesen wäre, der schönste Tag bricht an und wir planen unseren ersten Ausflug. Nach dem baden und frühstücken, machen wir uns auf den Weg zum Kap Arkona, am Strand lang weil es so schön ist.
Es ist eine wirklich schöne Wanderung, und viel länger als erwartet, auf dem Rückweg halten wir dann noch den Daumen raus um nicht erst mitten in der Nacht wieder in Glowe zu sein.
Diese Erfahrung nutzen wir nun für unseren nächsten Ausflug zum Königsstuhl.
Wir brechen zeitig auf um mit dem Bus bis auf den Parkplatz Königstuhl zu fahren, dann die schöne Aussicht, von dem größten der weißen Felsen genießen und schließlich in den wunderschönen Laubwald bis Sassnitz wandern.
Das ist die Landschaft die ich sehr liebe, Buchen und Eichen wunderbar und der Geruch…..mm schön. Wir wandern oben im Wald entlang, bis wir an eine Leiter kommen, an der wir herunter zum Strand klettern. Dort kommen wir nur sehr langsam voran,
(jedenfalls ich) überall wunderschön geformte Steine mit und ohne Löcher, an denen man einfach nicht vorbei gehen kann. Dann, wenn die Taschen schon voll sind beginnt langsam die Phase des aus sortieren’s , weil ich ja alles alleine tragen muss.
Es ist wunderschönes Wetter, wir haben Badehandtücher mit und erfrischen uns unterwegs.
Dann nach Stunden, glauben wir, hinter der nächsten Ecke muss eigentlich die Stadt liegen,
nee… noch nicht, sicher hinter der nächsten… auch nicht… hui ist das weit und doch etwas mühsam stundenlang auf den Steinen zu laufen.
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Meine Füße kann ich wohl vergessen aber morgen ist ja wieder ein Strandtag da können
sie sich erholen. Auf unserem Arkona trip haben wir ja sogar Strand ohne Steine gefunden
Na ja als Usedom Verwöhnter muss man sich erst mal dran gewöhnen Sandstrand ist eben Sandstrand obwohl wenn wir hier öfter lang gehen würden konnte es auch bald zum Sandstrand werden was will sie bloß mit den ganzen Steinen ein Haus bauen?
Irgend etwas liegt in der Luft , mm das ist Raucherfisch also Sassnitz kann nun wirklich nicht mehr weit sein. Geschafft auf meine Nase ist doch verlass schön wider ebenen Boden unter den Füssen zu haben. Hab ich ein Appetit auf Rächerfisch doch selbst auf der Strandpromenade kein Fisch na gut ne Bratwurst tut’s auch. Am Stadtstrand liegen die Leute
immer noch wie Heringe zwischen den Strandkörben und einer gafft auf den anderen,
komisch am FKK ist mir das noch nie so aufgefallen muss wohl an den Leuten liegen. Da
ist mir doch so ein FKK-Strand viel lieber und an einem einsamen Plätzchen kann einem nicht nur von der Sonne Heiß werden.
Am Bahnhof angekommen erfahren wir das der nächste Zug erst in Zweistunden fährt Busse fahren heute gar nicht mehr ,Hoffentlich kommen wir dann von Sagard weg na ja mal sehen. Jetzt gehen wir erst noch mal in die Stadt. Ich hab immer noch Appetit auf Fisch und
Evelin fragt an der Straße einen Herren, ob man hier nicht irgendwo Rächerfisch kaufen kann
doch der meinte nee das geht alles in den Export in den Westen. Um uns an einer der Gaststätten anzustellen fehlt uns die Zeit also schlendern wir noch ein bisschen Richtung Wasser. Am Ende der Bahnhofstraße finden wir einen kleinen eingezäunten Weg ans Steilufer
von hier hat man einen schönen Blick Auf die Bucht und den Hafen. Vor uns kann man beobachten wie sich eine lange Schlange von Autos in die Riesige Fähre schlängelt. Schau mal da hinter dem Mercedes das ist doch der umgebaute VW Bus von den Berlinern die uns von Arkona mitgenommen haben. Die fahren jetzt nach Schweden rüber und dann zum Nordkap. Wir schauen uns tief in die Augen und wissen das wir wieder mal die selben Gedanken haben, ja das wäre auch was für uns endlose Wälder, glasklare Seen und erst die Fjorde klingt uns noch die Reisebeschreibung der beiden im Ohr. Ein Seitenblick auf die den
Wachturm an der Einfahrt zum Hafen verbannt die Gedanken wieder in das Reich der Träume
doch die Gedanken sind frei. Ein wenig schwermütig schauen wir noch der auslaufenden Fähre hinterher dann ist es Zeit für den Zug. Morgen noch mal Badetag und dann wieder ab in die sozialistische Produktion.