Einleitung
Wer im Urlaub sparen möchte um von A nach B zu kommen, greift nicht nur auf Billigfluglinien zurück. Wer wie ich vor allem in England, Schottland und Irland unterwegs ist, möchte auch sicher Geld sparen. Als Student achtet man ja bekanntlich auf jeden Cent. Eine Art der günstigen Fortbewegung ist das trampen – oder auch hitchhiking wie es im englischen Sprachraum heißt.
Ich möchte hier meinen Erfahrungen zum besten geben, die ich bei meinen letzten Aufenthalten gesammelt habe. Dies bezieht sich somit auf Großbritanien, Schottland, Nordirland und die Republik Irland.
Wie stelle ich mich an die Straße? Was muss ich beachten?
Grundlagen
Es ist nicht unbedingt ausschlaggebend ob man alleine reist oder zu zweit. So meine Erfahrungen. Als ich das erste mal mit meiner Freundin in Schottland trampte gab sie mir ihre Erfahrungen zum besten. An die Straße stellen und nett aussehen bringt nichts... Oft stand ich da und sie sagte zu mir: „du machst das falsch...“ dabei sah ich doch ganz nett aus (Vielen dank ich hab dich auch lieb). Okay meine Freundin sieht natürlich einfach... :love: Frauen haben jedenfalls höhere Chancen schneller (Betonung liegt auf schneller) mitgenommen zu werden als Männer.
Bevor du überhaupt erst einmal jemanden anhälst solltest du wissen wohin es geht. Mache dir vorher einen Plan. Ich schreibe mir immer größere Orte auf die in meiner gewünschten Fahrtrichtung liegen. Hatte aber auch schon mal es geschafft nur mit „I'd like to go to kerry“ oder so.
Ein offener netter Blick, die Körperhaltung locker und nicht bedrohlich macht den Unterschied. Wenn du an der Straße stehst (in England links, gelle?) nimm deinen Hut oder Mütze ab, damit man dein Gesicht sieht. Achja: ein nettes aber müdes Lächeln wäre beim Stehen an der Straße in der gewünschten Fahrtrichtung auch nicht schlecht.
Kannst du auf einer Straßenseite nicht stehen da es das Gelände nicht zulässt, laufe weiter. Es bringt nichts wenn du mitten in den Highlands an einem Viewpoint stehst aber auf der falschen Straßenseite. Hier kannst du übrigens auch Leute direkt ansprechen (Deutsche oder andere Süd-Urlauber nehmen einen seltenst mit).
Zurück zu dir - wie du an der Straße stehst.... Das wichtigste hatten wir ja noch gar nicht: der Daumen! Nicht der grüne Daumen... Die Hand sollte ausgestreckt (aber nicht ganz durchgestreckt) in Fahrtrichtung zeigen. Schilder brauchst du nicht. Dies ist die langläufig und verbreitete Meinung. Selbst ein kleiner Trip bringt dich weiter ans Ziel.
Zeige dem Fahrer (wenn du immer noch an der Straße stehst) dein Gepäck. So können sie einschätzen ob für dich/ euch noch Platz ist.
Wir hatten 2008 von zwei Schweizern mitgenommen – die übrigens kein Wort Deutsch mit uns sprachen – aber in ihren viel zu kleinen Mietwagen für uns nochmal das Gepäck gestaucht hatten und uns die halbe Strecke von Isle of Skye nach fort William mitnahmen. Hinter Fort William dann nahmen uns zwei Belgier mit die ihren Kombi für uns umbauten und ihr Chaos von den Rücksitzen in den Kofferraum verlagerten. Also es geht!
Nochmal zur Wiederholung: In England sagt man „hitchhiking“ und nicht „trampen“. Das kennen die nicht.
Reisen zu zweit
Zu zweit dürfte eigentlich kein Problem werden. Viele Privatpersonen fahren über lange Strecken zu ihrem Arbeitsplatz oder zum Einkaufen in die nächste große Stadt. Da findet sich meist immer jemand.
Werden es mehr Personen schreckt das meist ab. Wurde aber auch schon mal zusammen mit zwei anderen Trampern mitgenommen.
Wo stelle ich mich hin?
Das mit der Straßenseite wäre ja geklärt :D Am besten an eine Stelle wo die Leute nicht mit 100 Sachen an dir vorbeibrettern. Hinter einer Kurve, in einem verkehrsberuhigtem Bereich – sprich 70er- Zone (dort drüben nich kmh sondern mph – und auch nich 70!).
Mit den Autobahnen, bzw. Motorways ist das so ne Sache: Habe immer wieder gelesen man soll auf Raststätten sich absetzen lassen. Nun, sowas gibt es da drüben seeeeeehr selten. Mehr so diese „Autohöfe“ Ich habe mich auch schon einmal an einer Autobahnabfahrt absetzen lassen und bin dann vorsichtig (!!!!) hinter den Beschleunigungsstreifen der Autobahnauffahrt gelaufen. Es hat geklappt, sollte aber nur im Notfall so passieren. Besser ist es runter von der Autobahn und dann an der Zufahrtsstraße zu stehen.
Seit ihr in einer größeren Stadt wie beispielsweise Glasgow, Edinburgh, Bristol oder so... fahrt mit dem Bus oder der Bahn raus. Es ist dort leichter einen „lift“ zu finden. Bei kleineren Städten besorgt euch einfach eine Karte in der Tourist Informationen und fragt nach der Länge des Fußweges bis zur Stadtgrenze. Dort könnt ihr übrigens auch gleich nach den nächsten größeren Orten fragen.
Wie lange muss ich denn hier noch stehen?
Tjoa... keine Ahnung... Ist echt unterschiedlich wo man gerade ist, welche Tageszeit, welcher Wochentag, ob Ferien sind oder, oder, oder...
Ich habe auch schon öfter eine ¾ h gewartet. Aber meist auch nicht länger. Wenn ihr länger warten müsst weil alle Autos an euch vorbeifahren, dann macht ihr was falsch. Entweder steht ihr in einer Einbahnstraße, alles Leute flüchten, oder ihr steht einfach ungünstig... Meist ist es letzteres.
Als ich mal länger als eine Stunde stand, kam ich mit einem netten Schotten - der in die andere Richtung wollte – ins Gespräch. Ich erzählte ihm dass ich schon eine Stunde warte. Er meinte dass es besser wäre wenn ich mich 200 m weiter unten hin stellen würde und drückt mir einen Schokoriegel und einen Energydrink in die Hand.
Sicherheit
Bevor ich auf das Thema Frauen zu sprechen komme, behandle ich erst einmal noch die weiteren Regeln, die man beachten sollte.
Achtet vor allen Dingen immer auf eure eigene Sicherheit. Dies fängt schon mit dem Aussuchen der Stelle an, wo ihr Stehen wollt. Diese sollte übersichtlich sein und dem Fahrer auch eine Möglichkeit zum links ranfahren bieten.
Das Wetter spielt dabei auch eine gewisse Rolle. Von Vorteil sind da etwas hellere Kleidungsstücke oder ein gut sichtbarer Regenschutz für den Rucksack bei grauer Wolkendecke.
Wenn ihr dem Fahrer gegenüber steht, schaut ihn euch an, verlasst euch auf euer Menschengefühl und fragt ob er in die und die Richtung fährt. Habt ihr ein ungutes Gefühl bei dem Menschen lasst es...
Zu jeder Tageszeit sollte man nicht reisen. Es empfiehlt sich für Mann und Frau den spätesten Lift 4 Stunden vor Sonnenuntergang zu suchen. Dies hat zum einen den Sicherheitsaspekt, zum anderen gibt es dir die Möglichkeit nach einer Unterkunft Ausschau zu halten. Bist du mit einem Freund/ Freundin unterwegs, könnt ihr auch über den Sonnenuntergang hinaus unterwegs sein. Würde aber selber nur dazu raten wenn ihr dem Fahrer vertraut.
Wenn es geht nehmt Pfefferspray mit. Dies sollte aber jedoch nur im Notfall eingesetzt werden und auch nur wenn das Fahrzeug steht. Dann muss es aber auch griffbereit in eurer Nähe sein (z.B. Beintasche der Treckinghose)
Will ein Fahrer Geld für den Transport haben, steigt gar nicht erst ein oder sofort wieder aus! Mir ist das bisher nicht passiert aber ich hatte einen Bericht gelesen.
Fühlt ihr euch unwohl oder bedrängt sagt freundlich aber bestimmt dass er/sie links ranfahren soll. Egal wo!
Frauen und Trampen bzw. hitchhiking
Ich habe selber nur eine Frau kennen gelernt die hitchhiking gemacht hat. Sie hatte gute Erfahrungen mit den Fahrern gemacht, hatte aber auch das Flüssiggewürz mit. Ich selber würde Frauen abraten alleine zu trampen. Dies ist aber nur meine persönliche Meinung
Mit einer Freundin an deiner Seite ist dies weniger ein Problem. Achtet aber bitte dennoch auf eure Sicherheit.
Weitere Tipps
Sei einfach flexibel. Wenn du heute nicht ankommst, dann morgen. Wenn du nicht da ankommst wo du wolltest sondern in der Nachbarstadt... egal! Viele Wege bringen dich zum Ziel.
Fahrer sind meist sehr neugierig. Sie erwarten quasi deine aufregenden Geschichten zu hören, wo du überall schon gewesen bist, was dir besonders an dem Land gefällt. Du mutierst quasi zum Geschichtenerzähler. Es gibt für manche Fahrer nichts aufregenderes als den Worten eines freien Menschen zu lauschen. Wo geht dein Weg noch hin? Erzähl es ihm!
Abschlussworte
Ich persönlich habe keine schlechten Erfahrungen mit Fahrern gemacht. Im Gegenteil. Meine Freundin und ich haben sehr viele nette Menschen kennen gelernt. Manche lernt man nur ein bisschen kennen, manche besser. Und manche trifft man wieder....
Angst hatte ich keine. Sicher war ich mir anfangs unsicher. Aber ich hatte ja meine Freundin die mein Händchen gehalten hat :D von daher fiel es auch net so schwer als ich alleine auf Tour ging. Immer ran an den Speck. Man lernt viele interessante Menschen kennen und manchmal wird man auch eingeladen auf deren Grundstück zu nächtigen.
Weiterführende Links:
Auf der folgenden Seite findest du noch ein paar allgemeine Tipps zum Trampen die meine Tipps rund ums tramoen erweitern. Auf der Seite findet ihr noch Tipps zum trampen in Deutschland, in verschiedenen deutschen Städten.
Goldene Regeln frs Trampen von Veit Khne - Tramper Tips und Tricks und Fragen